Für eine Magistraarbeit in den Gender Studies an der Humboldt Universität besteht der Anspruch das diese transdisziplinär geschrieben sein muss. Doch was verbirgt sich dahinter?
Der Anspruch der Transdisziplinarität und die Erfahrungen damit wird immer wieder diskutiert, so auch heute in der Ringvorlesung bei den Gender Studies an der Humboldt Universität zu Berlin. Wie so oft bleiben mehr Fragen als vorher: Heißt Transdisziplinarität die Verortung in der eigenen Disziplin (kann/will Gender Studies das überhaupt sein?) mit seinen methodischen Ansprüchen und gleichzeitiger Offenheit für andere Disziplinen, Perspektiven und Methoden. Es sollte also eine kritische Auseinandersetzung mit den Methoden, das Kennzeichen einer wissenschaftlichen Disziplin (?), stattfinden: was kann ich mit meinen Methoden erreichen, für welche Fragen brauche ich andere Methoden, zu welchen Ergebnissen komme ich mit anderen Methoden und was bedeutet das für meinen (disziplinären) Ausgangpunkt …? Idealerweise sollten die Antworten zu einem produktiven Erkenntnisprozess führen.
Doch die Disziplinerhaltung scheint mir im Rahmen der Diskussion um Transdisziplinarität weiterhin sehr wichtig zu sein. Es erfolgt oft eine disziplinäre Verortung und während und nach der Arbeit ein Rückbindung an die Disziplin.
Doch was mache ich als Gender Studierende, die sich im Prinzip keiner Disziplin in dem Sinne zugehörig fühlt, sondern für die entwickelten Fragestellungen die notwendigen Methoden und Werkzeuge zusammensucht, um Antworten zu finden. Arbeite ich schon postdisziplinär, wie es sich Andrea Maihofer vorstellt? Ich weiß es nicht, ob ich trans- oder postdisziplinär arbeite, aber ich denke, ich arbeite nicht disziplinär.
Doch was mache ich als Gender Studierende, die sich im Prinzip keiner Disziplin in dem Sinne zugehörig fühlt, sondern für die entwickelten Fragestellungen die notwendigen Methoden und Werkzeuge zusammensucht, um Antworten zu finden. Arbeite ich schon postdisziplinär, wie es sich Andrea Maihofer vorstellt? Ich weiß es nicht, ob ich trans- oder postdisziplinär arbeite, aber ich denke, ich arbeite nicht disziplinär.
Ich werde mich in meiner Magistraarbeit bei der theoretischen Reflektion zum Thema Transdisziplinarität auf jeden Fall auf den Aufsatz von Andrea Maihofer[1] beziehen, da ich dort meine Ideen zu meiner Arbeitsweise wiederfinden kann. Zusätzlich empfehle ich die Literaturhinweise im gender@wiki.
Zur Transdisziplinarität gehört auch die Auseinandersetzung mit der Wissensverschränkung von zum Beispiel (sub)kulturellem und wissenschaftlichem Wissen. In wieweit ist hier Transdisziplinarität gegeben? Wie reflektiert muss zum Beispiel unsere Filmarbeit in die wissenschaftliche Analyse in der Magistraarbeit eingebunden werden?
Zwar konnten wir während der Filmproduktion zusammenarbeiten, aber die schriftliche Qualifikationsarbeit muss als Einzelleistung erstellt werden. Wie kann hier der Anspruch der Transdisziplinarität gewährleistet werden?
Inwieweit muss/kann/sollte transdisziplinäres Arbeiten kollaborativ sein, wie es von Studierenden auf der letzten Tagung: Impuls-Innovation-Intervention der Gender Studies Visier im Oktober 2007 eingefordert wurde?
Also Fragen über Fragen, auf die es noch mehr Fragen gibt.
[1] Maihofer, Andrea: Inter-, Trans- und Postdisziplinarität. Ein Plädoyer wider die Ernüchterung. In: Heike Kahlert; Barbara Thiessen; Weller, Ines (Hg.): Quer denken – Strukturen verändern. Gender Studies zwischen den Disziplinen. Wiesbaden, 2005, ISBN 3-531-14522-3, S. 185-202.
hallo katrin,
. du eröffnest die erste diskussion zu transdisziplinarität, die ich im web2.0 gefunden habe. und da fallen mir auch gleich noch fragen über fragen ein.
. und auf häufig auch auf disziplinäre verortungen.
ich finde es großartig
eine frage, die mir (genauso wie dir) im hinblick auf transdisziplinarität besonders heiß unter den nägeln brennt:
kann ich alleine (für mich) transdisziplinär arbeiten? oder ist transdisziplinarität immer im sinne einer kollaborativen zusammenarbeit zum beispiel an einem text zu denken? falls transdisziplinarität aber, wie es mittelstraß in seinem entwurf zur methodischen trasdisziplinarität 2005 vorschlägt, als gemeinschaftsprodukt zu denken ist, wie kann ich dann z.b. wissenschaftliche qualifikationsarbeiten anfertigen? diese arbeiten bestehen auf alleinige autor_innenschaft
verzwickt – oder?
die andere frage die mich beschäftigt, ist die nach der definitionsmacht zu transdisziplinaritäten. was passiert, wenn ich transdisziplinariät zu eng führe und normiere?
ich kann mich deiner kritischen perspektive nur anschließen, und mir zu diesem punkt die richtlinien für die magistraarbeiten der gender studies an der hu genauer ansehen. dort steht: “ [...] transdisziplinär arbeiten, also für die Beantwortung Ihrer Frage-
stellung über disziplinäre Fachgrenzen schauen und Disziplinen übergreifend reflektieren.“ hier finden wir kein wort mehr von einem denkmodell, dass transdisziplinarität als ein „cross-over zwischen verschiedenen Wissensformen, [...] etwa zwischen Wissenschaft und Kunst“ (hark 2005, s. 380) bevorzugt. ich habe im hinblick auf meine auseinandersetzung bei sabine hark (dissidente partizipation) einige antworten zu post/trans/disziplinärem arbeiten gefunden. ich bringe dir das buch gern am kommenden dienstag mit. ich bin jetzt schon auf die diskussion in der nächsten ringvorlesung des graduiertenkolleg (12.02.) gespannt, da das thema transdisziplinarität dort erneut aufgegriffen wird und wir sicherlich den raum nutzen können, um unsere fragen zu besprechen.
lg danilola
Kommentar von danilola — 7. Februar 2008 @ 12:05
Hallo Danilo,
.
danke für Deinen umfangreichen Kommentar! (ich hätte ja nie damit gerechnet, dass ich mal Voreiter_in im web2.0 werde
Ja, das Thema beschäftigt mich schon und ich bin doch irritiert, dass meines Erachtens die Differenz zwischen formulierten Anspruch und Umsetzung nicht kritisch wahrgenommen wird. Hier finde ich auch Deine kritischen Anmerkungen zur Gefahr der Kanonisierung von Transdisziplinarität sehr interessant, auch das müsste viel mehr im Focus der Diskussion stehen. Von daher bin ich auch schon auf die nächste Ringvorlesung des Graduiertenkollegs gespannt. Über das Buch würde ich mich übrigens sehr freuen.
Dann bis Dienstag,
Lg, Katrin
Kommentar von katrin — 8. Februar 2008 @ 8:00
ich bringe das buch gern mit und vielleicht schaffen wir es ja einige teilnehmer_innen der ringvorlesung für die arbeit an einem gemeinsamen text zum thema im wunderbaren gender@wiki einzuladen
http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Transdisziplinarität
Kommentar von danilola — 8. Februar 2008 @ 9:30
Hallo Katrin,
danke für deine Ausführungen – ich habe deine kurze Reflexion zum Thema im Artikel „Transdisziplinarität“ im Genderwiki verlinkt, zu finden unter: http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Transdisziplinarität
*flüster: lt. Wikipedia & Bertelsmann gibt es das Wort >Reflektion< im deutschen Sprachgebrauch nicht.
Kommentar von sAn & cArlchen — 6. März 2008 @ 9:55