Familytrouble – Queer families in Deutschland

8. Februar 2008

Forschungsstand in der Magistraarbeit

Gespeichert unter: Magistraarbeit — Katrin @ 9:30

Im Rahmen des Colloquiums, das ich zur Vorbereitung und Unterstützung für meine Magistraarbeit besuche, ging es auch um das Thema Forschungsstand. Dazu habe ich mir folgende Gedanken gemacht:

Bei der Anforderung einer wissenschaftlichen Arbeit, den aktuellen Forschungsstand einzubinden stellen sich für mich erst einmal folgende Fragen:

- Welcher Forschungsstand sollte dargestellt werden?

- Wie groß und aktuell muss der Forschungsstand sein?

- Wie komme ich an den Forschungsstand heran?

- Wie werde ich den Forschungsstand in meine Arbeit einbeziehen?

Beim weiteren Überlegen lassen sich sicherlich noch detailliertere Fragen finden, aber für’s erste versuche ich schon mal diese Fragen zu beantworten, denn Schritt für Schritt lässt sich das Ziel erreichen, was bestimmt auch für die Fragestellung zutrifft.

Da meine Magistraarbeit eine transdisziplinäre und reflexive Perspektive erfordert, kann ich mich nicht nur um einen Forschungsstand kümmern. Das heißt, ich muss mich auf verschiedenen Ebenen mit der aktuellen Forschungsliteratur auseinandersetzen und mich entsprechend verorten. Das betrifft unter anderem folgende Punkte, die sicherlich nicht immer einzeln für sich stehen sondern durch aus verschränkt miteinander verbunden sind:

- meine Positionierung im Raum der Gender Studies: welchen Gender-Begriff verwende ich wie und wofür, welche Kategorien, Interdependenzen sind damit verbunden, welche theoretischen Konzepte stehen dahinter?

- mein Wissenschaftsverständnis: woher beziehe ich mein Wissen, wie bewerte ich mein Wissen, wie setze ich mein Wissen ein?

- meine Arbeitsweise: transdisziplär und refelxiv – was ist darunter zu verstehen, wie kann ich dies gewährleisten?

- meine Methodenwahl: warum diese Methode und keine andere, welche Vor- und Nachteile bietet sie mir, welches Ziel will und kann ich damit wie erreichen?

- mein Forschungsgegenstand: in Bezug auf mein Erkenntnisinteresse wurde bereits was wie gefragt und herausgefunden, was schließt an, was sollte weitergedacht werden? welche theoretischen Konzepte werden in diesem Zusammenhang diskutiert? Welche Begriffe sind zu klären?

Zum Umfang des Forschungsstandes ließe sich wahrscheinlich sagen: mindestens so groß wie nötig und maximal so groß wie möglich. Und das heißt? Ich denke mal, es kommt erst einmal auf mein Erkenntnisinteresse und meine Fragestellung an. Im Rahmen der ersten Recherche sollte ich mir einen groben Überblick über den Forschungsstand schaffen. Nun heißt es die Fragestellung zu konkretisieren um klare Kriterien für den Forschungsgegenstand und die möglich Methode und Arbeitsweise zu entwickeln, damit ich dann im Rahmen meiner Magistraarbeit darlegen kann, warum ich mich genau auf diesen Forschungsstand und diese Forschungsliteratur beziehe. Insgesamt sollte es mir möglich sein, die relevante Forschungsliteratur soweit eingrenzen zu können, dass ich sie nun auch innerhalb der Magistraphase bewältigen kann. Das heißt, ich muss die Literatur recherchieren, besorgen, lesen, verstehen und auswerten können.

Gehört nun zum aktuellen Forschungsstand englischsprachige Forschungsliteratur? Ich hoffe nicht, denn dann bin ich erledigt! Ja sicher, es wäre hervorragend, alle wesentlichen aktuellen Impulse (die sich dann meines Erachtens nicht auf den englischsprachigen Teil der Forschungsliteratur beschränken sollten) zu kennen und zu berücksichtigen. Aber mir fehlen dazu die erforderlichen Ressourcen: das wären zunächst hauptsächlich Zeit und Sprachkenntnisse. Aus diesem Bewusstsein heraus werde ich im Moment meine Gegenstände, Fragestellungen und Themen so wählen, dass ich auf nichtdeutschsprachige Forschungsliteratur weitgehend verzichten kann und versuche, mein individuelles Defizit, das ich zum Glück erkenne, mit objektiven Kriterien, zumindest zum Teil, auszuhebeln.

In meinen Hausarbeiten, die bisherigen Vorbereitungsarbeiten für meine wissenschaftliche Abschlussarbeit, habe ich den aktuellen Forschungsstand immer in meine Argumentation eingebunden, so eine Art Zwiegespräch geführt. Dabei ist es selbstverständlich wichtig „[meine] Fragen, Begründungen, Interpretationen und Positionen explizit [zu] machen und erkennbar von denen der Forschungsliteratur ab[zu]grenzen“.[1] Das hat sich für mich bewährt und erscheint mir auch weiterhin plausibel. Neben der Überprüfung meiner Thesen und Argumente sollte ich auch die Forschungsliteratur kritisch begutachten.[2]

Fazit? Die Basis der Arbeit ist das Erkenntnisinteresse und die draus entwickelte Fragestellung, da, so jedenfalls mein Eindruck, darauf (fast) immer wieder alles zurückfällt. Das heißt also auch, die Fragestellung so zu entwickeln, dass sie in einer Magistraarbeit bearbeitet werden kann. Letztendlich sollte ich mir bewusst machen, dass ich nur begrenzte Antworten aus begrenztem Wissen finden kann, aber ich sollte aufzeigen können, warum ich dieses Wissen gewählt habe.



[1] Gubitz, Andy (2004, aktualisiert 2005): Wissenschaftliches Arbeiten in den Gender Studies. Kap. 5.3.1 III Sie und die Forschung. S. 40. Zugriff im Internet am 10.01.2008, um 14:00 Uhr: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgpdf/broschuere_ueberarb.pdf

[2] Vgl. Gubitz, Andy (2004, aktualisiert 2005): Wissenschaftliches Arbeiten in den Gender Studies. Kap. 5.3.1 III Sie und die Forschung. S. 40. Zugriff im Internet am 10.01.2008, um 14:00 Uhr: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgpdf/broschuere_ueberarb.pdf.

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