Familytrouble – Queer families in Deutschland

17. Juli 2008

Noch dabei?

Gespeichert unter: Familie, Magistraarbeit — Katrin @ 1:50

Diese Frage ist durchaus berechtigt, wenn der letzte Blogeintrag im Februar war.

Leider hat mich ein Kommentar auf den letzten Eintrag zum Thema ’situiertes Wissen’ etwas aus der Bahn geworfen. Da mein oberstes Ziel war, meine Magistraarbeit fertigzustellen habe ich mich dann doch entschieden, mich zurückzuziehen und am Schreibtisch bzw. in der Bibliothek (ja ich habe es ausprobiert und es war für mich sehr effektiv) zu arbeiten und Diskusionen in persönlichen Runden zu führen. Inzwischen habe ich meine Arbeit fertiggestellt und vorgestern beim Prüfungsamt abgegeben (JUCHEI). Dadurch ist aber das Projekt, den Prozess der Magistraarbeit in diesem Raum vorzustellen und ggf. inhaltliche Diskussionen zu fürhen, für mich gescheitert :-( .

Nun will ich versuchen, das Blog noch einmal aufleben zu lassen und aktuelle Informationen zum Thema aufnehmen. Mal sehen wie es klappt, denn im Moment muss ich mich auch auf meine letzten beiden Abschlussprüfungen vorbereiten, die im September stattfinden werden.

Nun noch eine kleine Info, die ich bei thinkpink unterm Regenbogen gelesen habe:

Der LSVD hat seinen neunen Beratungsbroschüre für ‘Regenbogenfamilien’ veröffentlicht, der jetzt auch im Internet abrufbar ist. Es werden verschiedene Familienmodelle vorgestellt, es gibt rechtliche Informationen sowie weiterführende Literaturtipps.

13. Februar 2008

Situiertes Wissen – ganz einfach?

Gespeichert unter: Begriffe, Magistraarbeit, Reflektion — Katrin @ 3:05

Wie ich in meinem letzten Beitrag dargelegt habe ist die Selbstpositionierung und –reflektion enorm wichtig für den Forschungsprozess, um sich auch immer die eigene Konstruiertheit und Beschränktheit zu verdeutlichen.

Donna Haraway (1988) hat sich in ihrem Aufsatz „Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive.“[1] dazu ausführlich Gedanken gemacht.

„[Ihr] würde eine Lehre verkörperter Objektivität zusagen, die paradoxen und kritisch-feministischen Wissenschaftsprojekten Raum böte: Feministische Objektivität bedeutet dann ganz einfach situiertes Wissen.“ (Haraway:310)

Wie werde ich mich nun mein Wissen situieren und mich damit positionieren? Bei meinen bisherigen (Haus)Arbeiten habe ich, ehrlicherweise, darüber nicht wirklich reflektiert und somit auch mich nicht bewusst positioniert. Doch im Rahmen der Seminar in den letzten Semestern und im aktuellen Forschungscolloquium ist mir klar geworden, dass ich dahingehend etwas verändern will und muss.

Bisher habe ich nicht vor, eine Selbstpositionierung voran zu stellen, denn ich habe dann das Gefühl, die Arbeit besteht nur aus Voranstellungen: Positionierung, Verortung, Begriffsklärung, Methode etc. Lieber möchte ich alles mit einander verweben, ohne dass es ein absolutes Durcheinander wird? Ob’s klappt, ein Versuch ist es wohl wert.

Zwar betont Haraway, dass „

[d]as erkennende Selbst in all seinen Gestalten partial und niemals abgeschlossen, [...] immer konstruiert und unvollständig, zusammengeflickt [ist]. [...] Es gibt keine Möglichkeit, an allen Positionen zugleich oder zur Gänze an einer einzigen, privilegierten (unterdrückten) Position zu ‚sein’, die durch Geschlecht, ethnische und nationale Zugehörigkeit und Klasse strukturiert wird. [...] Die Suche nach einer solchen vollständigen und absoluten Position ist die Such nach dem fetischisierten, vollkommenen Subjekt einer oppositionellen Geschichte, [...].“(Haraway 2007:313)

Aber die Selbstpositionierung und –reflexion darf keine Floskelformulierungen werden, denn

„[w]ir sind gefordert die Perspektive solcher Blickwinkel anzustreben, die niemals im voraus bekannt sein können und die etwas sehr ungewöhnliches Versprechen, nämlich ein Wissen, das die Konstruktion von Welten ermöglicht, die in geringem Maße durch Achsen der Herrschaft organisiert sind.“ (Haraway 2007:312)

Das von Haraway entworfene Bild zur Abhängigkeit der Visionen, die bewusst und kenntlich gemacht werden sollte, um die Visionen auch verfolgen zu können, werde ich mit auf meinen Weg nehmen:

„Vision erfordert visuelle Instrumente. Optik ist eine Politik der Positionierung. Visuelle Instrumente vermitteln Standpunkte, es gibt keine unvermittelte Sicht vom Standpunkt der Unterworfenen aus. Identität einschließlich Selbstidentität produziert keine Wissenschaft, kritische Positionierung produziert – ist – Objektivität.“ (Haraway 2007:312)



[1] Donna Haraway (2007) Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive. Aus: Vermittelte Weiblichkeit: feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie. Elviar Scheich (Hg.) Hamburg: Hamburger Edition 1996 (i. O. 1988), S. 217-248 (mit Auslassungen) In: Hark, Sabine (Hg.): DisKontinuitäten feministische Theorie. 2., aktualisierte und erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 305-322.

12. Februar 2008

Heteronormativitäskritische Forschung

Gespeichert unter: Begriffe, Heteronormativität, Magistraarbeit, Reflektion — Katrin @ 9:17

Heteronormativitätskritik wird für meine Arbeit eine wichtige Perspektive sein. Doch was heißt eigentlich Heteronormativität? Hier kann ich folgenden Sammelband empfehlen: Hartmann, Jutta; Klesse, Christian; Wagenknecht, Peter; Fritzsche, Bettina; Hackman, Kristina (Hg.): Heteronormativität. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007.

Für Wagenknecht bietet dieser Grundbegriff der Queer Theory die Möglichkeit:

„Widerstandspraxen gegen die hegemoniale Ordnung von Geschlecht und Sexualität“

systematisch zu reflektieren (18). Trotz unterschiedlicher Begriffsverwendung wird Heteronormativität in gesellschaftlichen Machtverhältnissen verortet.

Nach Hartmann und Klesse basiert Heteronormativität

auf der Annahme von zwei klar voneinander abgrenzbare, sich ausschließende Geschlechter und [...] die Setzung von heterosexuellem Begehren als natürlich und normal, [mit der Auswirkung, dass] „das diskursive Regime hegemonialer Heterosexualität normative Annahmen über ‚gesunde’ Körperlichkeit und angemessenes Sozialverhalten sowie normalisierende Identitätszuschreibungen hervor [bringt], die allesamt den vorherrschenden Glauben an Natürlichkeit, Eindeutigkeit und Unveränderbarkeit von Geschlecht und sexueller Orientierung fundieren. (Hartmann; Klesse:9)“

Das hat zur folge, dass auf die Subjekt-Konstitution:

„Heteronormativität den Druck [erzeugt], sich selbst über eine geschlechtliche und sexuelle bestimmte Identität zu verstehen, wobei Vielfalt möglicher Identitäten hierarchisch angeordnet ist und im Zentrum der Norm die kohärente heterosexuellen Geschlechter Mann und Frau stehen.“ (Wagenknecht:17)

Hier bezieht sich Wagenknecht auf die heterosexuelle Matrix (Butler), der zentrale Begriff für ihn im Konzept der Heteronormativität. Danach wird eine Übereinstimmung von sex, gender, heterosexuellem Verhalten und Begehren verlangt. Diese Matrix funktioniert jedoch nur, wenn gleichzeitig die Abweichung existiert. Haritarworn kritisiert in ihrem Aufsatz Transphobie und das Fehlen eine kritischen Weißseinsanalyse in dem Konzept der heterosexuellen Matrix. Daraus wird deutlich, dass bei einer Analyse die Kategorie Sexualität interdependent gedacht werden muss. So fordert Haritarworn eine Intersektionalitätsanalyse ein, die den spezifischen Machtkontext berücksichtigt.

Diese Forderungen zeigt:

„Heteronormativität [reguliert] die Wissensproduktion, strukturiert Diskurse, leitet politisches Handeln, bestimmt über die Verteilung von Ressourcen und fungiert als Zuweisungsmodus in der Arbeitsteilung. [...] ist sämtlichen gesellschaftlichen Verhältnissen eingeschrieben; auch Rassismus und Klassenverhältnisse sind heteronormativ geprägt und prägen ihrerseits die kulturellen Bilder und konkreten Praxen heteronormer Zweigeschlechtlichkeit“ (Wagenknecht:17)

Mit diesem Bewusstsein reflektiert Klesse die Anforderungen an eine heteronormativitätskritische Forschungsmethode. Ein wichtiger Aspekt ist für ihn die Auseinandersetzung mit den Objektivitätsansprüche in Wissenschaft und Forschung. Für ihn ist das Ziel: „nachvollziehbare und plausible Erklärungen und Argumentation zu entwickeln“(Klesse:40) bereits sehr anspruchsvoll. Das kann nur erreicht werden, wenn Forschende, mit Verweis auf Sandra Harding (Konzept der Strong Objekctivity) und Donna Haraway (Konzept des Situated Knowledge), die Machtverhältnisse eines Forschungsprozesse und die subjektiven Positionierung zu den relevanten Machtverhältnissen um Geschlecht, Sexualität, Klasse, Race/Ethnizität und Ability offen legen. Diese Anforderungen sind auch bei

„ausschließlich[en] text- und bildbezogene Analysemethoden an[zu]wenden. Bei der Arbeit mit diesen Forschungsmethoden liegt eine gewisse Gefahr darin, sich als situierte Person hinter der Illusion einer entkörperlichten Wissensproduktion, die im poststrukturalistischen theoretischen Diskurs ohnehin schon angelegt ist, zu verstecken“ (Klesse:41).

Die Reflexion der Machtverhältnisse im Forschungsprozess betrifft unter anderem das Forschungsdesign, die Interaktion, die Interpretation und Repräsentation.

Für mich waren die kritischen Hinweise für den Arbeitsprozess der Interpretation wichtig:

„Interpretation baut in der Regel auf Akte der Selektion, Hervorhebung, Auslassung, Rekontextualisierung usw., welche in den meisten Fällen das Ergebnis von Entscheidungen der Forschende ist, [... die] wiederum eng mit Standpunkten, Interessen und Werten der Forschende verbunden [ist]. Interpretation ist eine aktive Produktion von Narrativen, die geprägt ist von subjektiven Positionierungen und den intersubjektiven und diskursiven Beziehung im Forschungsfeld.“ (Klesse:45)

Daraus ergibt sich die Betonung der „Bedingtheit, Beschränktheit und notwendigen Unfertigkeit jeglicher Interpretation.“ Und „der partielle und situierte Charakters von Interpretationen“ wird erst durch aktive Selbstpositionierung der Forschende deutlich. (45)

Da auch die Repräsentation auf vielfältige Weise durch Macht strukturiert wird, bedarf nach Klesse

jeder Versuch politisch verantwortliche, ethisch vertretbare und gesellschaftlich nützliche wissenschaftliche Texte zu produzieren, [...] eines aktiven Bruchs mit stereotypen ethnisierten, vergeschlechtlichten und sexualisierten hegemonialen Repräsentationsformen“. (Klesse:43)

Insgesamt sehr komplexe, aber notwendige Anforderungen, die ich auch in meiner Arbeit berücksichtigen will. Wie weit es mir gelingen wir, werde ich sehen.

Literatur:

Hartmann, Jutta; Klesse, Christian; Wagenknecht, Peter; Fritzsche, Bettina; Hackman, Kristina (Hg.): Heteronormativität. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

- Haritarworn, Jinthana (2007): (No) Fucking Difference? Eine Kritik an ‘Heteronormativität’ am Beispiel von Thailändischsein. S. 269-289.

- Hartmann, Jutta; Klesse, Christian (2007): Heteronormativität. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht – eine Einführung. S. 9-15.

- Klesse, Christian (2007a): Heteronormativität und qualitative Forschung. Methodische Überlegungen. S. 35-51.

- Klesse, Christian (2007b): Weibliche bisexuelle Nicht-Monogamie, Biphobie und Promiskuitätsvorwürfe. S. 291-307.

– Wagenknecht, Peter (2007): Was ist Heteronormativitä? Zu Geschichte und Gehalt des Begriffs. S. 17-34.

8. Februar 2008

Forschungsstand in der Magistraarbeit

Gespeichert unter: Magistraarbeit — Katrin @ 9:30

Im Rahmen des Colloquiums, das ich zur Vorbereitung und Unterstützung für meine Magistraarbeit besuche, ging es auch um das Thema Forschungsstand. Dazu habe ich mir folgende Gedanken gemacht:

Bei der Anforderung einer wissenschaftlichen Arbeit, den aktuellen Forschungsstand einzubinden stellen sich für mich erst einmal folgende Fragen:

- Welcher Forschungsstand sollte dargestellt werden?

- Wie groß und aktuell muss der Forschungsstand sein?

- Wie komme ich an den Forschungsstand heran?

- Wie werde ich den Forschungsstand in meine Arbeit einbeziehen?

Beim weiteren Überlegen lassen sich sicherlich noch detailliertere Fragen finden, aber für’s erste versuche ich schon mal diese Fragen zu beantworten, denn Schritt für Schritt lässt sich das Ziel erreichen, was bestimmt auch für die Fragestellung zutrifft.

Da meine Magistraarbeit eine transdisziplinäre und reflexive Perspektive erfordert, kann ich mich nicht nur um einen Forschungsstand kümmern. Das heißt, ich muss mich auf verschiedenen Ebenen mit der aktuellen Forschungsliteratur auseinandersetzen und mich entsprechend verorten. Das betrifft unter anderem folgende Punkte, die sicherlich nicht immer einzeln für sich stehen sondern durch aus verschränkt miteinander verbunden sind:

- meine Positionierung im Raum der Gender Studies: welchen Gender-Begriff verwende ich wie und wofür, welche Kategorien, Interdependenzen sind damit verbunden, welche theoretischen Konzepte stehen dahinter?

- mein Wissenschaftsverständnis: woher beziehe ich mein Wissen, wie bewerte ich mein Wissen, wie setze ich mein Wissen ein?

- meine Arbeitsweise: transdisziplär und refelxiv – was ist darunter zu verstehen, wie kann ich dies gewährleisten?

- meine Methodenwahl: warum diese Methode und keine andere, welche Vor- und Nachteile bietet sie mir, welches Ziel will und kann ich damit wie erreichen?

- mein Forschungsgegenstand: in Bezug auf mein Erkenntnisinteresse wurde bereits was wie gefragt und herausgefunden, was schließt an, was sollte weitergedacht werden? welche theoretischen Konzepte werden in diesem Zusammenhang diskutiert? Welche Begriffe sind zu klären?

Zum Umfang des Forschungsstandes ließe sich wahrscheinlich sagen: mindestens so groß wie nötig und maximal so groß wie möglich. Und das heißt? Ich denke mal, es kommt erst einmal auf mein Erkenntnisinteresse und meine Fragestellung an. Im Rahmen der ersten Recherche sollte ich mir einen groben Überblick über den Forschungsstand schaffen. Nun heißt es die Fragestellung zu konkretisieren um klare Kriterien für den Forschungsgegenstand und die möglich Methode und Arbeitsweise zu entwickeln, damit ich dann im Rahmen meiner Magistraarbeit darlegen kann, warum ich mich genau auf diesen Forschungsstand und diese Forschungsliteratur beziehe. Insgesamt sollte es mir möglich sein, die relevante Forschungsliteratur soweit eingrenzen zu können, dass ich sie nun auch innerhalb der Magistraphase bewältigen kann. Das heißt, ich muss die Literatur recherchieren, besorgen, lesen, verstehen und auswerten können.

Gehört nun zum aktuellen Forschungsstand englischsprachige Forschungsliteratur? Ich hoffe nicht, denn dann bin ich erledigt! Ja sicher, es wäre hervorragend, alle wesentlichen aktuellen Impulse (die sich dann meines Erachtens nicht auf den englischsprachigen Teil der Forschungsliteratur beschränken sollten) zu kennen und zu berücksichtigen. Aber mir fehlen dazu die erforderlichen Ressourcen: das wären zunächst hauptsächlich Zeit und Sprachkenntnisse. Aus diesem Bewusstsein heraus werde ich im Moment meine Gegenstände, Fragestellungen und Themen so wählen, dass ich auf nichtdeutschsprachige Forschungsliteratur weitgehend verzichten kann und versuche, mein individuelles Defizit, das ich zum Glück erkenne, mit objektiven Kriterien, zumindest zum Teil, auszuhebeln.

In meinen Hausarbeiten, die bisherigen Vorbereitungsarbeiten für meine wissenschaftliche Abschlussarbeit, habe ich den aktuellen Forschungsstand immer in meine Argumentation eingebunden, so eine Art Zwiegespräch geführt. Dabei ist es selbstverständlich wichtig „[meine] Fragen, Begründungen, Interpretationen und Positionen explizit [zu] machen und erkennbar von denen der Forschungsliteratur ab[zu]grenzen“.[1] Das hat sich für mich bewährt und erscheint mir auch weiterhin plausibel. Neben der Überprüfung meiner Thesen und Argumente sollte ich auch die Forschungsliteratur kritisch begutachten.[2]

Fazit? Die Basis der Arbeit ist das Erkenntnisinteresse und die draus entwickelte Fragestellung, da, so jedenfalls mein Eindruck, darauf (fast) immer wieder alles zurückfällt. Das heißt also auch, die Fragestellung so zu entwickeln, dass sie in einer Magistraarbeit bearbeitet werden kann. Letztendlich sollte ich mir bewusst machen, dass ich nur begrenzte Antworten aus begrenztem Wissen finden kann, aber ich sollte aufzeigen können, warum ich dieses Wissen gewählt habe.



[1] Gubitz, Andy (2004, aktualisiert 2005): Wissenschaftliches Arbeiten in den Gender Studies. Kap. 5.3.1 III Sie und die Forschung. S. 40. Zugriff im Internet am 10.01.2008, um 14:00 Uhr: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgpdf/broschuere_ueberarb.pdf

[2] Vgl. Gubitz, Andy (2004, aktualisiert 2005): Wissenschaftliches Arbeiten in den Gender Studies. Kap. 5.3.1 III Sie und die Forschung. S. 40. Zugriff im Internet am 10.01.2008, um 14:00 Uhr: http://www.gender.hu-berlin.de/w/files/ztgpdf/broschuere_ueberarb.pdf.

6. Februar 2008

Disziplin: inter- oder trans- oder gar postdisziplinär?

Gespeichert unter: Reflektion, Seminar, gender studies — Katrin @ 7:19

Für eine Magistraarbeit in den Gender Studies an der Humboldt Universität besteht der Anspruch das diese transdisziplinär geschrieben sein muss. Doch was verbirgt sich dahinter?

Der Anspruch der Transdisziplinarität und die Erfahrungen damit wird immer wieder diskutiert, so auch heute in der Ringvorlesung bei den Gender Studies an der Humboldt Universität zu Berlin. Wie so oft bleiben mehr Fragen als vorher: Heißt Transdisziplinarität die Verortung in der eigenen Disziplin (kann/will Gender Studies das überhaupt sein?) mit seinen methodischen Ansprüchen und gleichzeitiger Offenheit für andere Disziplinen, Perspektiven und Methoden. Es sollte also eine kritische Auseinandersetzung mit den Methoden, das Kennzeichen einer wissenschaftlichen Disziplin (?), stattfinden: was kann ich mit meinen Methoden erreichen, für welche Fragen brauche ich andere Methoden, zu welchen Ergebnissen komme ich mit anderen Methoden und was bedeutet das für meinen (disziplinären) Ausgangpunkt …? Idealerweise sollten die Antworten zu einem produktiven Erkenntnisprozess führen.

Doch die Disziplinerhaltung scheint mir im Rahmen der Diskussion um Transdisziplinarität weiterhin sehr wichtig zu sein. Es erfolgt oft eine disziplinäre Verortung und während und nach der Arbeit ein Rückbindung an die Disziplin.

Doch was mache ich als Gender Studierende, die sich im Prinzip keiner Disziplin in dem Sinne zugehörig fühlt, sondern für die entwickelten Fragestellungen die notwendigen Methoden und Werkzeuge zusammensucht, um Antworten zu finden. Arbeite ich schon postdisziplinär, wie es sich Andrea Maihofer vorstellt? Ich weiß es nicht, ob ich trans- oder postdisziplinär arbeite, aber ich denke, ich arbeite nicht disziplinär.

Doch was mache ich als Gender Studierende, die sich im Prinzip keiner Disziplin in dem Sinne zugehörig fühlt, sondern für die entwickelten Fragestellungen die notwendigen Methoden und Werkzeuge zusammensucht, um Antworten zu finden. Arbeite ich schon postdisziplinär, wie es sich Andrea Maihofer vorstellt? Ich weiß es nicht, ob ich trans- oder postdisziplinär arbeite, aber ich denke, ich arbeite nicht disziplinär.

Ich werde mich in meiner Magistraarbeit bei der theoretischen Reflektion zum Thema Transdisziplinarität auf jeden Fall auf den Aufsatz von Andrea Maihofer[1] beziehen, da ich dort meine Ideen zu meiner Arbeitsweise wiederfinden kann. Zusätzlich empfehle ich die Literaturhinweise im gender@wiki.

Zur Transdisziplinarität gehört auch die Auseinandersetzung mit der Wissensverschränkung von zum Beispiel (sub)kulturellem und wissenschaftlichem Wissen. In wieweit ist hier Transdisziplinarität gegeben? Wie reflektiert muss zum Beispiel unsere Filmarbeit in die wissenschaftliche Analyse in der Magistraarbeit eingebunden werden?

Zwar konnten wir während der Filmproduktion zusammenarbeiten, aber die schriftliche Qualifikationsarbeit muss als Einzelleistung erstellt werden. Wie kann hier der Anspruch der Transdisziplinarität gewährleistet werden?

Inwieweit muss/kann/sollte transdisziplinäres Arbeiten kollaborativ sein, wie es von Studierenden auf der letzten Tagung: Impuls-Innovation-Intervention der Gender Studies Visier im Oktober 2007 eingefordert wurde?

Also Fragen über Fragen, auf die es noch mehr Fragen gibt.



[1] Maihofer, Andrea: Inter-, Trans- und Postdisziplinarität. Ein Plädoyer wider die Ernüchterung. In: Heike Kahlert; Barbara Thiessen; Weller, Ines (Hg.): Quer denken – Strukturen verändern. Gender Studies zwischen den Disziplinen. Wiesbaden, 2005, ISBN 3-531-14522-3, S. 185-202.

2. November 2007

Arbeitsplan – Katrin

Gespeichert unter: Arbeitsplanung, Kolloquium, Magistraarbeit — Katrin @ 10:49

Nun habe ich meinen Arbetisplan für die Magistraarbeit fixiert:

- Orientierungs- und Planungsphase (bereits erfolgt)

o Themensuche

o Fragestellung

o Methodik

o Expose

o Grobgliederung

 

- Recherche und Materialbearbeitung

o Systematische Literatur- und Materialsuchere (beits erfolgt)

o Literatur- und Materialbeschaffung (bereits erfolgt)

o Lesen und Exzerpieren - dabei => bis Mitte Nov.

o Strukturieren des Materials - bis Ende Nov.

o Anpassen der Gliederung - bis Ende Nov.

 

- Rohfassung - bis Mitte Jan.

o Formulierung der Rohfassung

o Ggf. Rückwirkende Veränderung der Struktur

 

- Überarbeitung - bis Anf. Feb.

o Roter Faden: Vollständigkeit, Konsistenz

o Wissenschaftliche Standards: Logik, Begrifflichkeit

o Literaturverzeichnis

o Sprache: Satzstruktur, Ausdruck …

 

- Korrektur – bis Mitte Feb.

1. November 2007

Magistraarbeit – Studientagebuch von Katrin

Gespeichert unter: Arbeitsplanung, Kolloquium, Magistraarbeit, Seminar, Studientagebuch — Katrin @ 8:29

Arbeitsplan und Zeitmanagement sind die Themen der nächsten Sitzung im Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten (WS 07/08 bei den Gender Studies an der Humbuldt-Universität zu Berlin, organisiert von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt).

Dafür habe ich mir ein Studientagebuch angelegt. Das gibt Auskunft über

- meine geplante Arbeitszeit und Arbeitpensum

- meine tatsächlich realiserte Arbeitszeit und Arbeitspensum

- meine Zufriedenheit und die Gründe.

Was soll ich bisher sagen? Tja, meine Ziele waren höher gesteckt als mir möglich zu realiseren. Nun gut, das is nicht wirklich zufriedenstellend. Aber ich war auch nicht absolut frustiert, denn durch meine eigene auferlegte Kontrolle durch das Studientagebuch habe ich zumindest versucht, mich an meine Studienzeiten zu halten und gewissenhaft zu arbeiten. Das hat zwar nicht im ganzen Umfang aber zumindest teilweise auch geklappt. (da erkenne ich gerade interessante Zusammenhänge in Bezug auf Selbstdisziplinierung zu dem Buch „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault, das ich gerade in Auszügen für das Seminar: Körperpolitik – Politik der Körper: Zur historischen Anthropologie der Sexualität ab 1770 bei Claudia Bruns bei den Gender Studies lese ;-) ).

Meinen detaillierten Arbeitsplan für meine Magistraarbeit werde ich in den nächsten Tagen erstellen und auch hier veröffentlichen.

Expose – Erkenntnisinteresse von Katrin

Für das Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten (WS 07/08 bei den Gender Studies an der Humbuldt-Universität zu Berlin, organisiert von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt) habe ich folgendes Expose eingereicht:

In meiner Abschlussarbeit möchte ich Antworten auf die Frage: „Wie lässt sich queer family in Deutschland leben und denken?“ finden.

Ausgehend von einer heteronormativen Gesellschaft (deren heteronormative Familienkonstruktionen noch genau herauszuarbeiten sind) in der lesbisch-schwule Eltern weiterhin diskriminiert werden, stellt sich mir die Frage: Inwieweit es lesbisch-schwulen Eltern tatsächlich möglich ist, alternative Lebensmodelle zu entwickeln?

Grenzen für weitreichende alternative Lebenskonzepte sehe ich im Moment unter anderem in der aktuellen Gesetzeslage zur Insemination, Co-Elternschaft und Adoption (vgl. Sawatzki 2004:79-91).

Oder braucht es, Engel (2003:40) folgend, überhaupt „dieses [Familienk]onzept, um queere Formen verantwortlichen Zusammenlebens mit Kindern zu entwerfen?“ Im Rahmen der Queer-Theory wird „Heterosexualität analytisch als ein Machtregime rekonstruiert“ (Hark 2005:285), dabei wird auch der strukturelle Einfluss auf gesellschaftliche Institutionen wie Familie und Verwandtschaft verdeutlicht (vgl. Hark 2005:285). Welche Ansatzpunkte bietet also die Queer-Theory für die Entwicklung alternativer Lebenskonzepte?

Nach Hark (vgl. 2005:285f.) sollen in der queeren politischen Praxis Identitätskonzepte kritisch hinterfragt werden, um auf diesem Wege Normalisierungstendenzen entgegenzuwirken. So muss die Akzeptanz der Differenz kritisiert werden, wenn sie nur über den Weg der Normalisierung möglich ist, also dass „es akzeptabel [ist], wenn der Nachbar schwul ist – wenn er sich bzw. weil er sich so benimmt wie alle.“ (Wegener 2005:62f.). Für den us-amerikanischen Raum zeigt Koch-Rhein (vgl. 2003:75) in ihrem Aufsatz, dass sich die alternativen lesBiSchwulQueeren Wahlfamilien mit realisiertem Kinderwunsch durchaus der Konstruktion der, angeblich biologischen, Kernfamilie annährten. Deshalb möchte ich abschließend anhand der veröffentlichten Publikationen des LSVD analysieren,[1] mit welchen familienpolitischen Positionen und zu welchem Preis versucht wird, Einfluss auf die dominante heterosexuelle Gesellschaft zu nehmen.

 

Genannte Literatur:

Engel, Antke (2003): Sandkästenträume –Queer/Feministische Gedanken zur Verwandtschaft und Familie. In: Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft. Berlin. S. 36-46.

Hark, Sabine (2005): Queer Studies. In: Braun, Christina von; Stephan, Inge (Hrsg.) Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Köln, Weimar, Wien: Bölau Verlag. S. 285-304.

Koch-Rein, Anne (2003): „Ungewöhnliche Herrenclubs“und andere Bilderbuchfamilien – Gedanken über lesbiSchwulQueere (Wahl-)Verwandschaft. In: Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (Hrsg.): Bulletin Nr. 26 Texte. Warum noch Familie? Berlin S. 71-81.

Sawatzki, Birgit (2004): Que(e)r zur Familie. Lebensentwürfe lesbischer Mütter. Marburg.

Wegener, Angela (2005): Regenbogenfamilien. Lesbische und schwule Elternschaft zwischen Heteronormativität und Anerkennung als Familienform. In: Feministische Studien. Zeitschrift für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Jahrgang 23, Nr. 1. S. 53-67.


[1] Der LSVD, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, ist einer der wichtigsten Verbände, der sich seit 2002 mit dem Projekt „Regenbogenfamilien“ für die Verbesserung der persönlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Situation von Regenbogenfamilien einsetzt. Vgl. LSVD: Projekt Regenbogenfamilie. Einsicht im Internet (zuletzt 23.10.2007, 18:10 UHR): http://typo3.lsvd.de/714.0.html.

Kolloquium: Forschungsvorhaben, Erkenntnisinteresse, Fragestellung

Gespeichert unter: Erkenntnisinteresse, Fragestellung, Kolloquium, Magistraarbeit, Reflektion — Katrin @ 8:17

Wie bereits in meinem letzten Beitrag formuliert, halte ich für den Arbeitsprozess während der Magistraarbeit den Besuch eines Kolloquiums für sehr fruchtbar.

Das Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten findet im WS 07/08 bei den Gender Studies an der Humbuldt-Universität zu Berlin statt und wurde von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt organisiert.

Bisher hatten wir eine Sitzung, in der wir unsere Forschungsvorhaben vorstellten. Es ging darum das Erkenntnisinteresse und die daraus resultierenden Fragestellungen pointiert zu formulieren. In der Kolloquiumsdiskussion wurde noch einmal die Relevanz dieser Punkte deutlich.

Hauptsächlich sollte überprüft werden, inwiefern ich Antworten bekomme auf mein Fragestellung, die sich aus meinem Erkenntnisinteresse ergeben haben.

Bereits bei der Formulierung von Erkenntnisinteresse und Fragestellungen werden Vorannahmen gesetzt, deren Herstellung zu erkennen sind und noch einmal hinterfragt werden sollte, zum Beispiel in dem ich die Fragestellung noch einmal öffne bzw. umformuliere.

Die Setzung von Begriffen sollte während des gesamten Arbetisprozesses immer wieder hinterfragt werden.

Dreh ich mich irgendwann im Kreis, wenn ich ständig refelektiere?

Es wäre möglich die Diskussion auch mit offenen Fragen zu beenden. Gegebenenfalls ist es sinnvoll mit Arbeitsbegriffen weiterzuarbeiten, deren Entschiedung entsprechend hergeleitet und begründet wurden. Diesen Arbeitsbegriffen sollte treu geblieben werden bzw. ist zu begründen, warum sie wieder abgelegt werden.

Noch ein Tipp aus dem Kolleoquium im Umgang mit Literatur, Quellen, Begriffen:

1. Was lese/sehe ich?

2. Was wird wie hergestellt?

3. Wem nützt das?

4. Pause

5. Wie steh ich dazu?

Magistraarbeit – aktueller Stand der Arbeit, Arbeitsweise

Gespeichert unter: Arbeitsplanung, Kolloquium, Konferenz, Magistraarbeit — Katrin @ 8:16

Bereits im letzten Semester haben wir ein Kolloquium besucht, das von Christina von Braun geleitet wurde. Dort stellten wir Ausschnitte von unserem Film: „Ich denke für Sechs“ vor. Außerdem präsentierten wir unsere Fragestellungen, methodische Vorgehensweise und Gliederung unserer Arbeit.

Nach dieser wichtigen Vorarbeit haben wir uns der Literaturrecherche und -studium gewidmet. Nun müssen die Gedanken sortiert, überprüft werden, damit sie endlich auch auf Papier gebracht werden können.

Für diesen Prozess ist ein ständiger Austausch und Reflektion erforderlich, insbesondere bei dem Anspruch eine transdisziplinäre Arbeit zu schreiben. In Kolloquien besteht die Möglichkeit,Unterstützung zu finden, Gedanken auszutauschen, Reflektionen zu beachten … Für mich ist der Besuch eines solchen Kolloquiums sehr wichtig, auch wenn es mir noch schwer fällt, mich der „öffentlichen“ Kritik zu stellen.

In diesem Semester besuchen wir das von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt organisierte Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten. In meinen nächsten Beiträgen werde ich immer wieder davon berichten.

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