Familytrouble – Queer families in Deutschland

1. November 2007

Expose – Erkenntnisinteresse von Katrin

Für das Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten (WS 07/08 bei den Gender Studies an der Humbuldt-Universität zu Berlin, organisiert von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt) habe ich folgendes Expose eingereicht:

In meiner Abschlussarbeit möchte ich Antworten auf die Frage: „Wie lässt sich queer family in Deutschland leben und denken?“ finden.

Ausgehend von einer heteronormativen Gesellschaft (deren heteronormative Familienkonstruktionen noch genau herauszuarbeiten sind) in der lesbisch-schwule Eltern weiterhin diskriminiert werden, stellt sich mir die Frage: Inwieweit es lesbisch-schwulen Eltern tatsächlich möglich ist, alternative Lebensmodelle zu entwickeln?

Grenzen für weitreichende alternative Lebenskonzepte sehe ich im Moment unter anderem in der aktuellen Gesetzeslage zur Insemination, Co-Elternschaft und Adoption (vgl. Sawatzki 2004:79-91).

Oder braucht es, Engel (2003:40) folgend, überhaupt „dieses [Familienk]onzept, um queere Formen verantwortlichen Zusammenlebens mit Kindern zu entwerfen?“ Im Rahmen der Queer-Theory wird „Heterosexualität analytisch als ein Machtregime rekonstruiert“ (Hark 2005:285), dabei wird auch der strukturelle Einfluss auf gesellschaftliche Institutionen wie Familie und Verwandtschaft verdeutlicht (vgl. Hark 2005:285). Welche Ansatzpunkte bietet also die Queer-Theory für die Entwicklung alternativer Lebenskonzepte?

Nach Hark (vgl. 2005:285f.) sollen in der queeren politischen Praxis Identitätskonzepte kritisch hinterfragt werden, um auf diesem Wege Normalisierungstendenzen entgegenzuwirken. So muss die Akzeptanz der Differenz kritisiert werden, wenn sie nur über den Weg der Normalisierung möglich ist, also dass „es akzeptabel [ist], wenn der Nachbar schwul ist – wenn er sich bzw. weil er sich so benimmt wie alle.“ (Wegener 2005:62f.). Für den us-amerikanischen Raum zeigt Koch-Rhein (vgl. 2003:75) in ihrem Aufsatz, dass sich die alternativen lesBiSchwulQueeren Wahlfamilien mit realisiertem Kinderwunsch durchaus der Konstruktion der, angeblich biologischen, Kernfamilie annährten. Deshalb möchte ich abschließend anhand der veröffentlichten Publikationen des LSVD analysieren,[1] mit welchen familienpolitischen Positionen und zu welchem Preis versucht wird, Einfluss auf die dominante heterosexuelle Gesellschaft zu nehmen.

 

Genannte Literatur:

Engel, Antke (2003): Sandkästenträume –Queer/Feministische Gedanken zur Verwandtschaft und Familie. In: Femina Politica – Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft. Berlin. S. 36-46.

Hark, Sabine (2005): Queer Studies. In: Braun, Christina von; Stephan, Inge (Hrsg.) Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien. Köln, Weimar, Wien: Bölau Verlag. S. 285-304.

Koch-Rein, Anne (2003): „Ungewöhnliche Herrenclubs“und andere Bilderbuchfamilien – Gedanken über lesbiSchwulQueere (Wahl-)Verwandschaft. In: Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (Hrsg.): Bulletin Nr. 26 Texte. Warum noch Familie? Berlin S. 71-81.

Sawatzki, Birgit (2004): Que(e)r zur Familie. Lebensentwürfe lesbischer Mütter. Marburg.

Wegener, Angela (2005): Regenbogenfamilien. Lesbische und schwule Elternschaft zwischen Heteronormativität und Anerkennung als Familienform. In: Feministische Studien. Zeitschrift für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Jahrgang 23, Nr. 1. S. 53-67.


[1] Der LSVD, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, ist einer der wichtigsten Verbände, der sich seit 2002 mit dem Projekt „Regenbogenfamilien“ für die Verbesserung der persönlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Situation von Regenbogenfamilien einsetzt. Vgl. LSVD: Projekt Regenbogenfamilie. Einsicht im Internet (zuletzt 23.10.2007, 18:10 UHR): http://typo3.lsvd.de/714.0.html.

Kolloquium: Forschungsvorhaben, Erkenntnisinteresse, Fragestellung

Gespeichert unter: Erkenntnisinteresse, Fragestellung, Kolloquium, Magistraarbeit, Reflektion — Katrin @ 8:17

Wie bereits in meinem letzten Beitrag formuliert, halte ich für den Arbeitsprozess während der Magistraarbeit den Besuch eines Kolloquiums für sehr fruchtbar.

Das Kolloquium zu methodischen und theoretischen Problemen bei der Abfassung von Abschlussarbeiten findet im WS 07/08 bei den Gender Studies an der Humbuldt-Universität zu Berlin statt und wurde von Susanne Baer, Christine Bauhardt und Antje Honrscheidt organisiert.

Bisher hatten wir eine Sitzung, in der wir unsere Forschungsvorhaben vorstellten. Es ging darum das Erkenntnisinteresse und die daraus resultierenden Fragestellungen pointiert zu formulieren. In der Kolloquiumsdiskussion wurde noch einmal die Relevanz dieser Punkte deutlich.

Hauptsächlich sollte überprüft werden, inwiefern ich Antworten bekomme auf mein Fragestellung, die sich aus meinem Erkenntnisinteresse ergeben haben.

Bereits bei der Formulierung von Erkenntnisinteresse und Fragestellungen werden Vorannahmen gesetzt, deren Herstellung zu erkennen sind und noch einmal hinterfragt werden sollte, zum Beispiel in dem ich die Fragestellung noch einmal öffne bzw. umformuliere.

Die Setzung von Begriffen sollte während des gesamten Arbetisprozesses immer wieder hinterfragt werden.

Dreh ich mich irgendwann im Kreis, wenn ich ständig refelektiere?

Es wäre möglich die Diskussion auch mit offenen Fragen zu beenden. Gegebenenfalls ist es sinnvoll mit Arbeitsbegriffen weiterzuarbeiten, deren Entschiedung entsprechend hergeleitet und begründet wurden. Diesen Arbeitsbegriffen sollte treu geblieben werden bzw. ist zu begründen, warum sie wieder abgelegt werden.

Noch ein Tipp aus dem Kolleoquium im Umgang mit Literatur, Quellen, Begriffen:

1. Was lese/sehe ich?

2. Was wird wie hergestellt?

3. Wem nützt das?

4. Pause

5. Wie steh ich dazu?

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